Es geht auch anders: Bebauung eines Autobahndeckels mit Mehrfamilienhäusern in Altendorf, Schweiz
In der Mitteilung des Hamburger Senats an die Bürgerschaft, die im Rahmen der Senatsdrucksache als Vorlage von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) erarbeitet wurde, und der Bürgerschaft am 03.03.2009 zur Entscheidung vorgelegt werden soll, wird eine andere Nutzung des Autobahndeckels als mit Kleingärten und Sportplätzen vor vornherein ausgeschlossen:
6. Nutzung künftiger Deckelbereiche; Ersatzangebote für bisherige Nutzungen aus Verwertungsflächen
6.1 Grundsätze
Hamburg sieht auf den angestrebten Deckelbereichen im Wesentlichen Grün- bzw. Freiflächennutzungen vor (s. Anlagen 9 und 10). Der vorgesehene „Nutzungskatalog“ umfasst Fuß- und Radwege, Platzflächen, Grün- und Parkanlagen, Spiel- und Sportflächen sowie Freizeitgärten und Dauerkleingärten nach dem Bundeskleingartengesetz. Zu diesen Nutzungen gehörende bauliche Nebenanlagen wie Gartenlauben, Kioske etc. sind möglich, soweit sie den (im Einzelnen noch zu entwickelnden) technischen Vorgaben („Leichtbauten“) entsprechen.
Wohn-, Büro oder Gewerbebauten sind nicht vorgesehen. Derartige Nutzungen – die technisch möglich wären – setzen erheblich aufwändigere Einhausungskonstruktionen voraus. Die bei einem solchen Konzept daher aus wirtschaftlichen Gründen erforderliche hohe Nutzungsdichte wäre in den vorgesehenen Deckelbereichen fast überall städtebaulich problematisch bzw. nicht vertretbar. Auf die Abarbeitung der mit einem solchen Konzept verbundenen umfangreichen zusätzlichen Klärungsbedarfe wird vor dem Hintergrund dieser ungünstigen Einschätzung verzichtet.
Dass es auch anders geht, beweist der Autobahndeckel in der Schweiz über der A3: zwischen Basel und Zürich hat eine Gemeinde, die ebenfalls durch eine Autobahn geteilt wurde, einen Deckel mit Wohnbebauung gebaut.
Mehrfachnutzung im Trend
Opfikon ist nicht das erste Beispiel einer Mehrfachnutzung der Autobahn. Auch in Altendorf am Obersee ist die Autobahn, die 1967 gegen den Willen der Aussenschwyzer Gemeinde mitten durch die Gemeinde angelegt wurde, überdeckt worden. Eine genauere Analyse ergab, dass bei einer Tunnellänge von 650 Metern 350 Meter einer privaten Nutzung zugeführt werden könnten. Der jahrelange Kampf der Aussenschwyzer Gemeinde ermöglichte es der SUVA, ein für die Schweiz einmaliges Projekt zu realisieren. Sie erstellte im Rahmen ihrer Anlagetätigkeit 9 Mehrfamilienhäuser, sowie 8 Doppeleinfamilien- und 3 Atriumseinfamilienhäuser auf der Autobahnüberdeckung A3.
Wer die Autobahn in Basel-Ost verlässt und Richtung Frankreich fährt, kommt an den Grossbaustellen der Nordtangente vorbei. Die im Bau befindende Stadtautobahn misst bis zur französischen Grenze 3,18 km. Davon sind 2,79 km überdeckt. Wenn das Jahrhundertbauwerk der Rheinstadt 2007 oder 2008 in Betrieb genommen werden kann, steht dem freien Markt dank den Tunnelbauten ein zusätzliches Bauvolumen von rund 180`000 m3 für Wohnbauten zur Verfügung. «Denn von Anfang an wurde eine Doppelnutzung gewünscht», stellt der Projektleiter Christoph Angst vom Tiefbauamt Basel-Stadt fest.
Quelle: http://baukader.zto.ch/pages/index.cfm?id=443&rub=181&prub=1&srub=68&dom=1
Die umfassende Präsentation steht hier als PDF zum Download zur Verfügung. (ca. 16MB)
Wie ein Hohn liest sich die Position 4. in der Vorlage der BSU zum Klimaschutz:
4. Klimaschutzpolitische Auswirkungen
Die auf den Deckelabschnitten vorgesehenen Grünflächen wirken positiv auf das Stadtklima. Die Entwicklung von neuen innerstädtischen Wohnlagen auf den Verwertungsflächen ist ein Beitrag zu klimafreundlichen Siedlungsstrukturen, die eine Verringerung des motorisierten Individualverkehrs und der damit einhergehenden klimaschädlichen Folgen möglich machen.
Selbstverständlich wirken sich 10 Hektar neue Grünfläche auf dem Autobahndeckel Klimaschutzpolitische positiv auf. Über die klimaschutzpolitischen Auswirkungen der bebauten und versiegelten 35 Hektar ehemaliger Grünflächen verliert hüllt sich die Vorlage in Schweigen.
Es darf nicht vergessen werden, dass 35 Hektar Grünflächen bebaut werden, damit an anderer Stelle 10 Hektar neu entstehen.






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