greencapital.tv - behördliches Greenwashing mit EU-Fördermitteln?
Heute bekam ich einen Hinweis auf die neue Video-Plattform greencapital.tv geschickt. Unter der Rubrik "Stadt Hamburg" befindet sich auch ein Beitrag über den Autobahndeckel A7 mit dem Tenor, Kleingärtner verhindern den Deckel. In dem Beitrag wird Videomaterial von der Pressekonferenz der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) zum Autobahndeckel vom 12.11.2008 verwendet, in dem Frau Anja Hajduk, Senatorin der Behörde, ihre Pläne vorstellt.
In der Art der Berichterstattung wird journalistische Objektivität vorgegaukelt durch Gegenüberstellung der betroffenen Kleingärtner mit den Plänen der Senatorin: Parikularinteressen treffen auf Gemeinwohl.
Betreiberin der Plattform ist eine "greencapital tv GmbH", vertreten durch ihren Geschäftsführer Bernhard M. Bertram - langjähriger Fernsehmanager u.a. von NBC Europe und CNN Deutschland und geschäftsführendem Gesellschafter von Hamburg1. Offenbar wurde die Firma eigens für das Greenwashing-Event "Greencapital - Europas Umwelthauptstadt 2011" gegründet. Einen kritischen Beitrag zu dieser Alibi-Veranstaltung hat vor kurzem der Journalist Tim Rittmann hier veröffentlicht.
Verschwendung von EU-Mitteln - "Grüner" Filz?
Schaut man sich die für ein Webportal völlig ungeeignete HTML-Struktur der Seite an, fällt auf, dass die einzelnen Seiten mit den Videobeiträgen nicht über eine eindeutige Internetadresse (URL) angesteuert werden können. Alle Beiträge sind unter der selben Adresse "greencapital.tv" erreichbar: die einzelnen Video-Beiträge können nur per Klickpfad durch das Menü aufgerufen werden. Dies hat zur Folge, dass die Seite in Suchmaschinen niemals indiziert werden kann und ergo keine Reichweite erlangen wird. Zudem fällt auf, dass die Seite sowohl unter "www.greencapital.tv" als auch ohne "www." unter "greencapital.tv" erreichbar ist. Aus Sicht von Suchmaschinen wird hier "duplicated content" produziert.
Selbst unter halbwegs professionellen Gesichtspunkten sind dies zwei absolute No-Gos und stellen für jeden Suchmaschinen-Optimierer Lernstoff der zweiten Klasse dar. Hier drängt sich für mich die Befürchtung auf, dass im Rausch der "grünen" Selbstverliebtheit Behörden-befreundete Projektumsetzer ohne Erfolgskontrolle mit EU-Geldern beglückt wurden.
Nach Diktat erbrochen,
Ralf Hendel




Kommentare
Meine Befürchtung, dass hier Verfilzung zum Vorteil eines Unternehmens vorliegt, indem Fördermittel versenkt werden, hat sich durch die Nachricht eher verstärkt.
Auf meinen Vorschlag, die Diskussion darüber hier öffentlich zu führen, habe ich bisher keine Antwort erhalten.