Grün | Macht | Korrupt. Ein Essay über die Wut. Brief an die Kritiker
Hallo Herr Franke,
danke für Ihren Kommentar hier auf Schreberspacken.
Ihre Anregungen greife ich gern auf und möchte Ihnen eine persönliche Antwort darauf geben.
Verstehen Sie uns bitte nicht falsch. Von den gestern anwesenden Protestlern erwartet niemand ein kostenloses Büro oder Atelier. Wir, die wir gestern den "grünen Salon" gekapert haben, kommen aus acht unterschiedlichen Initiativen mit acht völlig verschiedenen Konstellationen. Gemeinsam sind wir von Politik und Verwaltung betrogen worden.
Wir sind angetreten und haben Bürgerbegehren organisiert. Für den Erhalt der Kleingärten, des Buchenhofwaldes, des Bismarckbades, des Erhalts der Landesbetriebe Krankenhäuser etc. Ich bin sicher, Sie kennen die einzelnen Abläufe.
Wir haben Menschen auf der Straße überzeugt, Informationsstände organisiert und haben alle sehr viel Freizeit investiert. Wir haben Zettel verteilt, Kleingärtner angesprochen und Flohmärkte organisiert - ein mühsehliges Unterfangen, das kann ich Ihnen versichern.
Wir haben daran geglaubt, dass Bürgerbeteiligung und "Politik von unten" funktioniert. Dass man gehört wird, wenn man "redlich" auftritt und demokratisch konstruktiv für seine Ziele wirbt.
Wenn Sie die Ereignisse des letzten Jahres in Altona verfolgt haben, werden Sie festgestellt haben, dass die einzige Initiative, die Ihr Anliegen erfolgreich durchsetzen konnte, diejenige war, die KEIN Bürgerbegehren angestrengt hat.
Der Initiative "Moorburgtrasse-stoppen" ist es gelungen, die Trasse zu stoppen und den Grünzug Altona zu erhalten.
Ich war bei einem der ersten Treffen von "Grünzug Altona" mit dabei und habe damals sehr bedauert, dass man sich dort gegen einen Bürgerentscheid entschieden hat. Die beiden Initiativen kamen etwas "krawalliger" daher als wir Kleingärtner und haben von vornherein stärker auf "zivilen Ungehorsam" als auf Unterschriftenlisten gesetzt. Es wurden Bäume besetzt und kein Zweifel gelassen, dass man eine Baustelle für die Moorburgtrasse nicht zulassen würde.
Rückblickend bin ich mir sicher: hätte es ein erfolgreiches Bürgerbegehren zum Erhalt des Grünzug Altonas gegeben, würden die Bäume heute nicht mehr im Gählerpark stehen.
Wir wurden belogen und betrogen.
Unser erfolgreiches Bürgerbegehren wurde von der "grün" geführen Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) mit der Begründung evoziert, man dürfe nicht zulassen, dass ein einzelner Stadtteil eine Sache verhindern kann, die für Gesamt-Hamburg so wichtig ist. Dass aber dieser einzelne Stadtteil die gesamte Last in Form des Verlustes seiner Grünflächen allein tragen muss, spielt keine Rolle. Diese Begründung konnte mir sogar eine Frau Sager beim "Jobmotor Klimaschutz" derartig geschliffen vortragen, als bekäme sie die Antwort souffliert. Immerhin ist Frau Sager Bundestagsabgeordnete und Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die "Grünen" für Wissenschafts- und Forschungspolitik. Mit Altonaer Tagespolitik hat sie wohl nicht tagtäglich zu tun.
Die Argumente wurden offenbar kollektiv einstudiert. Immerhin müssen die "Grünen" seither erklären können, wie sich Evokation mit Demokratieverständnis verträgt.
So hat mich mit Herr Staatsrat Maaß damit überrascht, dass die Vernichtung von 35 Hektar Grünflächen im Grunde nur dem Klimaschutz dient: Sind die Flächen erst bebaut, verkaufen die Pendler stehenden Fußes Ihre Eigenheime in Pinneberg und hören auf zu pendeln. Ich zitiere den Geschäftsführer "Dümmer gehts nimmer"...
Ein anderer Bürgerentscheid, der mit 85%iger Unterstützung der Altonaer Wahlberechtigten ausging, wurde auf niederträchtigste Weise evoziert und anschließend durch Unterschlagung rechtlich relevanter Eingaben vollstreckt.
Warum fragt uns niemand, warum sich unsere Wut allein gegen die "Grünen" richtet?
Ist die Antwort so offensichtlich, dass sie nicht mehr ausgesprochen werden muss?
Immerhin sind es CDU-Obere, die in Personalunion im Bauausschuss und Vorstand eines Bauvereins sitzen. Ein kommerziell uninteressantes Waldgrundstück wird plötzlich Bauland. Der besagte Bauverein macht durch die Baumfällung 10 Mio € Bodenspekulationsgewinn.
Bevor ich von den Anwälten des Bauvereins demnächst Post erhalte, möchte ich mich beeilen hinzuzufügen, dass dies selbstverständlich rein zufällig geschehen ist und dass zwischen diesen zufälligen Geschehnissen keinerlei Zusammenhang besteht. Alles rein fiktiv. Außer den Bäumen - die sind nun Geschichte.
Da ist die FDP, die gegen Spendenquittung Steuererleichterungen für Hoteliers durchgesetzt hat. Altona ist derzeit mit Aufklebern zugepflastert "Ich bin Ihr Kummerkasten - Einfach Scheck einwerfen und Wunsch formulieren. Ihre FDP". Sicherlich haben Sie die Aufkleber auch schon gesehen.
Jedesmal wenn ich Hotelquittungen verbuche, stelle ich fest, dass der abziehbare Vorsteueranteil geringer geworden ist. Die Preise sind aber die selben geblieben. Netto zahlen wir für eine Übernachtung also mehr als vorher. Danke - das habt Ihr toll hinbekommen, Ihr lieben Liberalen!
Zurück zu meiner Frage - warum also diese Wut auf die "Grünen"?
Wir naiven Polit-Greenhorns, die wir dachten, auf "ehrliche" demokratische Weise etwas erreichen zu können, sind in der überwiegenden Zahl "grüne" Zielgruppe. Die meisten von uns haben - sofern Sie gewählt haben - "grün" gewählt.
Ich selbst verbinde mit den "Grünen" die Vorstellung einer Partei, in der Menschen für ihre Ideale eintreten. Politiker, die für eine saubere Umwelt kämpfen, dem Klimawandel ins Auge sehen und Antworten darauf mitentwickeln. Die von Demokratie und Transparenz als Grundwerte einer modernen Gesellschaft überzeugt sind.
Von dieser Partei haben wir Unterstützung erwartet bei unserem Anliegen, öffentliche Grünflächen für die Öffentlichkeit zu erhalten.
Wir Kleingärtner sorgen für gesundes Mikroklima in einer Stadt, die an Ihrer Verdichtung zu ersticken droht. Unsere Kinder spielen in Gärten und lernen etwas über den Anbau von Pflanzen mit Gartenarbeit und Kompost - ohne Einsatz von Chemie. In den Gärten entwickeln sich Gemeinschaften vollkommen unterschiedlicher Menschen. Wir leben Nachbarschaft in einer Oase inmitten einer Stadt, in der sich die Menschen kaum noch kennen, die sich ihre Mehrfamilienhäuser teilen.
Ich meine mit Fug und Recht sagen zu können, dass wir für Ziele eintreten, die allgemein erhaltenswert sind.
Von den "Grünen" hätten wir dafür Verständnis erwartet.
Schulreform wird mit Nachverdichtung erkauft
Es sind ausgerechnet die "Grünen", die uns mit verwaltungs-juristischen Tricksereien aushebeln um ihre politischen Ziele zu verwirklichen. Es sind die "Grünen", die in der Koalition mit der CDU die Drecksarbeit erledigen. "Grüne", die ihre Schulreform mit dem Verzicht auf ursprünglich grüne Themen erkaufen. "Grüne", die von der Spitze her massiv Druck auf ihre Kreisverbände ausüben und Parteidisziplin einfordern, dass die Basis Baumfällungen zu unterstützen hat.
Der grüne Fraktionsvorsitzende, der unsere Aktion gestern durch seine penetranten Zwischenrufe gestört hat, war früher selbst ein Aktivist in der Buchenhofwald-Initiative. Als Geschäftsführer hat er heute nicht verhindert, dass der Kreisparteitag zu einem Zeitpunkt stattfand, als die Bäume bereits gefällt wurden. Auf diesem Parteitag sollte über einen Antrag für den Erhalt des Buchenhofwaldes entschieden werden.
Grün | Macht | Korrupt
Es sind "grüne" Politiker, die eine Sonderprüfung über die Praktiken der HSH-Nordbank verhindern. "Grüne" Prostitiker, die proaktiv verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Das schmutzige Geschäft der Macht hat die modernen "grünen" Volksvertreter eingeholt. Für mich ist das Korruption. Korruption möglichweise im strafrechtlichen Sinne, sicherlich aber im moralischen.
Ich habe mir sagen lassen, dass der "grüne" Geschäftsführer noch zwei Jahre auf seinem Stuhl aushalten muss, bis er mit lebenslanger Vollversorgung auf Staatskosten geadelt wird. Politik ist heute zum Geschäft degradiert und hat nichts mehr mit Idealen zu tun. Ein Rückgrat muss man sich leisten können.
Dies, Herr Franke, ist der Grund, warum wir uns mit diesen "Prostitikern" nicht an einen Tisch setzen können um zu diskutieren. Darum steht Altona auf: wir dürfen nicht zulassen, dass diese Volkvertreter eine Bühne erhalten, auf der sie Bürberbeteilung inszenieren, an deren Abschaffung ihre Justitiare bereits mit Hochdruck arbeiten.
Schön, dass wir hier miteinander sprechen können.
Herzliche Grüße,
Ralf Hendel
Kleingärtner und Umweltschützer



Kommentare
Erfreulich an dem an sich unerfreulichen Thema bleibt zumindest die Reichweite, die "wir" Protestler über das Netz erreichen können. So fand ich diesen Beitrag heute vollständig abgedruckt in Zusammenhang mit einem Beitrag "grüner" Politik und Stuttgart 21.
Herzlich gern verlinke ich zurück...
Beste Grüße aus Hamburg,
Ralf Hendel
Aha: "...für die Finanzierung des Autobahndeckels UND dem Bau dringend benötiger Wohnungen...".
Na, jetzt kommen wir der Wahrheit doch schon einen Schritt näher Herr Andersen!
Ich werde dann schon mal anfangen für meine neue (Eigentums-)Wohnung zu sparen. Vielleicht sind wir ja dann Nachbarn Herr Andersen?
Ich bin wirklich froh, dass wenigstens einer der "Grünen" mal Tacheles redet. Das Rumgeschwafel ("die Verlängerung des Autobahndeckels muss ja irgendwie finanziert werden..") können wir uns dann in Zukunft sparen.
Die Stadt braucht Geld, die Besser- bis Sehr-gut-Verdienenden noch mehr Eigentumswohnungen.
Gähn, immer Dasgleiche, seit Jahrtausenden: die an der Macht bestimmen die Regeln. Die Demokratie wird ausgehebelt (Bürgerbegehren evoziert, unter den Tisch fallen gelassen, ins Gegenteil verkehrt).
Demokratie war schon in seinem Geburtsland, dem antiken Griechenland, nur ca. 10% Prozent der Bevölkerung zugängig. Nicht den Frauen, nicht den Sklaven und nicht den finanziell weniger Hochgestellten.
Da müssen Sie sich nicht wundern Herr Andersen, dass die, die von der Demokratie (heutzutage natürlich nur inoffiziell) ausgeschlossen sind, sich auch nicht deren Regeln verpflichtet fühlen, also z.B. artig "in Dialog" zu gehen auf von Ihnen veranstalteten Versammlungen.
WIR SIND IN DIALOG GEGANGEN, HERR ANDERSEN!!!! SCHON LANGE VOR BESAGTER VERANSTALTUNG!
SIE HABEN DAS BÜRGERBEGEHREN GESTOPPT, weil Sie und ihre grünen Mitstreiter mit Schrecken gesehen haben, dass wir genug Stimmen gesammelt hatten und einen Grossteil der Bürger von unserem Anliegen überzeugen konnten. Da haben sie sich flugs an politisch-juristische Tricks gehalten, um doch noch bestimmen zu können.
Sie mögen ganz sicher politisch-juristisch gesehen in fast allen Punkten nicht-angreifbar sein. Darauf wurden sie geschult, das beherrschen alle Politiker.
ABER DARUM GEHT ES DEN BÜRGERN DOCH GAR NICHT!!! KÖNNEN SIE DAS WIRKLICH NICHT MEHR SEHEN, HERR ANDERSEN?
Ich habe nur eine Frage an Sie und würde mir so sehr eine ehrliche Antwort wünschen:
WAS IST AN IHRER POLITIK NOCH GRÜN? WAS?
Ich kann es leider nicht mehr sehen.
Und es ist sicher nicht meine Wut, die es mich nicht mehr sehen lässt sondern das Nicht-Mehr-Vorhandensein des grünen Selbstverständnisses.
Werter "Gast",
als Grünausschussvorsitzender setze ich mich im Bezirk Altona besonders für den Erhalt der ökologisch wertvollen Grünlandflächen der Rissen-Sülldorfer und der Osdorfer Feldmark ein. Durch die Schaffung von neuem Planrecht wollen wir hier eine Bebauung verhindern. Außerdem konnten wir eine Erweiterung des Naturschutzgebietes Schnaakenmoor erreichen, eine Erweiterung des Naturschutzgebietes Wittenbergener Heide ist in Arbeit. Wir haben eine Arbeitsgruppe für eine ökologischere Pflege der Altonaer Parkanlagen initiiert, die demnächst ihre Vorschläge im Grünausschuss vorstellen wird. Der Bezirk stellt Gelder für die Rückverlegung von Wedeler Au, Düpenau und Flottbek in ein natürlich geschwungenes Bachbett bereit. Außerdem fördern wir die Arbeit der Naturschutzverbände jährlich mit Sondermitteln. Damit seien nur einige Beispiele grüner Poltik im Bezirk genannt.
Was ihre grundsätzliche Demokratie-Kritik betrifft, kann ich ihren Ärger über manchen Missstand zwar nachvollziehen. Trotzdem leben wir aber immerhin noch in dem demokratischsten mir bekannten System, u.a. mit einem allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht für alle und dem Recht auf Meinungsfreiheit. Ich bitte bei allem Frust (den auch ich manchmal habe), das nicht zu vergessen.
Schließlich die Beschlussfassung der Bezirksversammlung zum Bürgerbegehren gegen IKEA: In diesem Punkt muss ich ihnen in vollem Umfang Recht geben. Leider hat die Mehrheit der GAL-Fraktion zusammen mit der CDU das Bürgerbegehren mit einer Scheinzustimmung ausgehebelt. Dabei haben außer mir noch zwei andere Abgeordnete nicht mitgemacht. Trotzdem ist das Verhalten der GAL in diesem Punkt für uns alle beschämend und alles andere als "grün". Ich bin zwar überzeugt, dass der zweite Bürgerentscheid nicht anders ausgegangen wäre als der erste. Dennoch hätte mensch den tausenden von Leuten die ihre Unterschrift geleistet haben, ihren gesetzlichen Anspruch auf eine Abstimmung nicht durch einen "billigen Trick" vorenthalten dürfen.
Gruß,
Lars Andersen
Hallo Herr Andersen,
ich entschuldige mich erst einmal vorab, daß meine Antwort auf Ihren Beitrag so lange auf sich warten liess.
Das lag daran, daß ich seit dem Lesen dieses Ihres Beitrages einen derartigen drei Wochen andauernden Lachkrampf erlitten habe, dass ich mich erst jetzt in der Lage fühle, Ihnen zu antworten.
Es geht auf dieser webside um den Erhalt von über 500 Kleingärten, den Stop der Moorburgtrasse, die unglaublichen korrupten und verlogenen Vorgänge um die Fällung des Buchenhofwaldes, den Wahnsinn "Ikeagrossprojekt" in einem innerstädtischen Hamburger Wohnviertel, um die Vertreibung von Künstlern, denen keine adäquaten Ateliers als Alternative angeboten werden können (die jetzige Lösung ist eben nur eine Übergangslösung), den Erhalt des neuen Pferdemarktes und im weitesten Sinne um die Abschaltung der Kernkraftwerke Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf UND SIE REFERIEREN HIER ALLEN ERNSTES ÜBER DIE ERHALTUNG DER GRÜNLANDFLÄCHEN RISSEN-SÜLLDORFER UND OSDORFER FELDMARK, DIE ERWEITERUNG VON NATURSCHUTZGEBIETEN UND DIE ÖKOLOGISCHERE PFLEGE DER ALTONAER PARKANLAGEN????????????????
Har, har, har, wenn ich nicht so ein sonniges Gemüt hätte, wäre ich jetzt wirklich etwas pikiert über diesen anscheinenden Angriff auf die Intelligenz und den gesunden Menschenverstand der Hamburger Büger und Wähler.
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: alle obig aufgeführten Massnahme halte ich für notwendig, sinnvoll und ökologisch wertvoll aber, Herr Andersen, wie mein Deutschlehrer so gerne unter Aufsätze zu schreiben pflegte: RECHTSCHREIBUNG GUT, GRAMMATIK AUSGEZEICHNET, INTERESSANTE INHALTE, ABER: THEMA VERFEHLT - SETZEN - SECHS!
Vielen Dank Herr Andersen, ich habe schon lange nicht mehr so gelacht....
Bei der nächsten Wahl, da bin ich mir sicher, werden wir auch Ihnen endlich ein Lächeln auf Ihr Gesicht zaubern.
Wenn auch nur ein Lächeln der Verzweiflung.
Mit freundlich kicherndem Gruss.
Ihr "Gast".
Lars Andersens Beitrag ist überschriben mit: "Wut verstellt den Blick für die Realitäten".
Ich schließe daraus, daß bei der GAL Wut eine emotionaler Dauerzustand zu sein scheint.
Mit respektvollen Grüßen und Dank für Euer Engagement.
Andreas Pawlouschek
Hallo Ralf,
ich bin ehrlich enttäuscht über den teilweise persönlich verunglimpfenden Unsinn, den du in deinem Antwortschreiben zum besten gibst. Um die Sache einmal von hinten aufzurollen:
Erstens erwerben weder ich als Geschäftsführer, noch unsere Fraktionsvorsitzende Gesche Boehlich durch unsere kommunalpolitische Tätigkeit irgendwelche Pensionsansprüche.. Zweitens verhindern nicht Grüne PolitikerInnen eine Sonderprüfung bei der HSH-Nordbank, sondern die schleswig-holsteinische Landesregierung lehnt dies ab. Drittens hatte ich als Geschäftsführer der Bezirksfraktion (leider) nur minimalen Einfluss auf die Terminierung der Mitgliederversammlung des Kreisverbandes. Viertens unterschlägst du einmal mehr, dass die Inanspruchnahme eines Teiles der Ottensener Kleingärten für den Bau dringend benötigter Wohnungen und zur Finanzierung des Autobahndeckel erfolgt, der wiederum für neue Kleingärten genutzt werden soll.
Auf alle deine abwegigen politischen Bewertungen einzugehen, erspare ich mir. Nur zwei Punkte möchte ich aufgreifen: Ich bitte dich zur Kenntnis zu nehmen, dass der Bau der Fernwärmetrasse durch das Gericht einzig aufgrund des fehlerhaften Verfahrens vorläufig (!) gestoppt wurde. Und das JuristInnen an der Überarbeitung des Gesetzes über Volks- und Bürgerbegehren arbeiten, kann ich nur als sinnvoll erachten, da die jetzige Regelung einfach deutliche Mängel aufweist. So bin ich der Meinung (wie du vermutlich auch), dass es nicht sein kann, dass der Bezirksamtsleiter die Umsetzung eines Bürgerentscheides durch eine schlichte Beanstandung des Beschlusses per Federstrich aussetzen kann. Ebenso wenig erscheint mir akzeptabel, dass trotz eingetretener Suspensivwirkung eines Bürgerbegehrens nach Hamburger Bauordnung eine Genehmigungsfiktion eintreten kann. Hier gibt es dringenden Nachbesserungsbedarf, dessen Aufarbeitung in unser beider Interesse sein sollte.
Gruß,
Lars Andersen
Hallo Lars,
danke für Deine Stellungnahme.
Es ist unzutreffend, dass auf dem A7-Autobahndeckel Kleingärten entstehen sollen.
Siehe am Beispiel Stellingen, wo Kleingärten kontaminierungsbedingt auf den Autobahndeckel "verlegt" werden sollen. Die Kleingärtner erhalten dort ein Stück eingezäunten Fußballrasen, auf dem weder Bäume gepflanzt noch Spielgeräte aufgestellt werden dürfen.
Wir erinnern uns: unter achtzig Zentimetern Erdsubstrat befindet sich eine empfindliche Folie, die den eigenlichen Autobahndeckel vor eindringendem Wasser schützen soll. Aus diesem Grund dürfen bestimmte Dünger nicht in den Boden eingebracht werden sowie keine Pflöcke eingetrieben. Mit den Folgen, dass Bäume und Spielgeräte nicht erlaubt sind.
Der Landesbund für Gartenfreunde - Vertragspartner der Hansestadt Hamburg - lehnt den Autobahndeckel als Ausgleichsflächen für die sogannten "Verwertungsflächen" ab, da eine kleingärtnerische Nutzung unter diesen Umständen nicht möglich ist.
Wenn Du davon sprichst, dass auf dem Deckel Kleingärten entstehen werden, ist das für mein Empfinden glatt gelogen. Vor zwei Jahren warst Du noch am Infostand bei uns auf der Altonale. Mögen Deine Parteifreunde vielleicht unwissend sein: Du hingegen weißt von den Plänen der Behörde.
Du weißt, dass die Kleingärtner faktisch enteignet werden sollen.
Herr Scheuermann, leitender Mitarbeiter in der "grün" geführte Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), äußerte sich am 30.04.2009 auf Nachfrage dazu:
Geplant ist eine Abfindung nach Bundeskleingartengesetz. Die Gärten werden nach Zeitwert geschätzt. eine Laube bringt vielleicht 1.200 EUR. Ein alter Baum gerade mal 50 EUR. Viele Kleingärtner können sich einen Neuangfang nicht leisten.
Du weißt, dass dies behörderlicherseits beabsichtigt ist, um möglichst viele Kleingärtner zum Aufgeben zu bewegen.
Nach dem selben Bundeskleingartengesetz ist eine Eigenbedarfskündigung übrigens nicht möglich. In der Senatsdrucksache aus dem März letzten Jahres ist dokumentiert, dass die Kleingärten verkauft werden sollen, um aus den Erlösen ein externes Bauwerk zu finanzieren. Dies ist als Kündigungsgrund nicht vorgesehen. Darüber wird zu gegebener Zeit sicherlich noch Recht gesprochen werden müssen.
Du weißt, dass die BSU aus den oben genannten Gründen fest darauf setzt, dass zwei Drittel der Kleingärtner aufgeben würden.
In einer Stadt, in der Natur lediglich eine Haushaltsposition darstellt und in der Kleingärten stören, ist dies politisch absolut gewollt. Ich verweise auf den Dir sicherlich bekannten Bericht aus der Bürgerschaft vom 30.04.09: Ergänzungen und Nutzungen des Autobahndeckels. Beachte bitte die Passage zum sogenannten "Umzugsmanagement":
Genauso ist es für mein Empfinden glatt gelogen, wenn die "Grünen" damit werben, dass auf dem Deckel zehn Hektar Grünflächen entstehen sollen. Du weißt, dass 35 Hektar öffentlicher Grünflächen unwiderruflich privatisiert werden sollen, weil sie für Eure "grünen" Pläne von Nachverdichtung in der Stadt benötigt werden.
Auf der Veranstaltung "Jobmotor Klimaschutz" am 20.03.2009 hat uns Katharina Fegebank ein Treffen zugesagt.
Als Moderatorin der Veranstaltung waren ihr die Nachfragen zum Demokratieverständnis der "Grünen" so kurz nach der Evokation offenbar unangenehm. Auf das Treffen warten wir noch heute. Abwiegeln, aber keine Courage, wenn es darauf ankommt. Warten bis Gras drüber wächst.
Es ist dieses allglatte Aufreten moderner "Realos", deren politische Inhalte von Werbeagenturen transportfähig gemacht werden, das uns an Euch so wütend macht.
Dir tragen wir nach, dass Du diese "grüne" Rhetorik zu Deiner eigenen machst, obwohl Du es besser weißt.
Zur Moorburgtrasse hast Du mir
auf dem Osterfeuer vor einem Jahr
erzählt, es wäre besser die Abwärme zu nutzen als damit die Elbe zusätzlich aufzuheizen. Mehr fällt Euch "Grünen" dazu nicht ein: eine "Real"-Politik, die sich am Gegebenen orientiert. "Moorburg wird doch sowieso gebaut". Eine Politik die nicht mehr den Anspruch hat, Realität zu gestalten. Das nenne ich "Realitätsverlust". Von der Resignation, die in dieser Haltung steckt, einmal ganz abgesehen.
Hier kommen wir nicht mehr zueinander:
Wir haben noch den Anspruch zu gestalten - und auch zu erhalten, was eine Stadt lebenswert macht.
Im Übrigen habe ich mich beim Lesen Deines Kommentars gefragt, welche Dinge Du als Geschäftsführer bewirken kannst, wenn nicht einmal die Termine der örtlichen Kreisversammlungen?
Vielleicht können wir die Fragen gemeinsam klären. Von unserer Seite sind wir Kleingärtner jederzeit dafür offen. Als Vehikel für inszenierte "grüne" Bürgerbeteilung lassen wir uns jedoch nicht missbrauchen. Ich denke, das haben wir deutlich gemacht.
Es grüßt Dich zurück,
Ralf Hendel
Auf dem besagten Kreisparteitag der "Grünen" in Altona wurden wir Kleingärtner von "Apfelbaum braucht Wurzelraum" von Frau Petra Bödecker - sie ist die "rechte Hand" der Fraktionsvorsitzenden Gesche Boehlich - ausdrücklich gelobt:
Nein, liebe Kreisparteitagsteilnehmerin und Gefolgsfrau Bödecker, darin täuschen Sie sich.
Unser Bürgerbegehren haben wir zurückgezogen um die Verantwortlichen im Hamburger Senat und der Altonaer Bezirksveranstaltung bloßzustellen.
Unser Anliegen wurde von der Politik ad absurdum geführt. Die Bühne illusionärer Bürgerbeteiligung mussten wir zu dem Zeitpunkt verlassen, als wir merkten, dass wir dem politischen Geschacher mit faulen Kompromissen eine Rechtfertigung hätten liefern sollen.
Dafür geben wir uns nicht her.
Hallo,
ich bin Mitglied der GAL in Altona und verstehe Euch gut (dazu gleich mehr). Zuerst will ich aber sagen, dass ich Eure Aktion den Grünen Salon zu "kapern" etwas daneben fand, um nicht zu sagen "ziemlich beknackt". Und zwar deshalb, weil solche Aktionen bei mir immer den Eindruck erwecken, dass sich da jemand wichtig machen möchte.
Klar, es gibt Dinge die wichtig sind und für die man sich deshalb einsetzen sollte. Allerdings ist eben jedem was anderes wichtig und das sollte man respektieren, solange man sich wünscht selbst auch wichtig genommen zu werden. Sich wichtiger zu nehmen als andere erweckt schnell den Eindruck von Arroganz, besonders wenn man –nachdem man selbst seine Message losgeworden ist– den Saal räumt und sich gar nicht erst anhören will, was andere zu sagen haben. Stichwort: Dialog.
Mich nervt ganz vieles, was die GAL tut und es gibt neben mir auch noch andere, die nicht einverstanden sind mit der Art und Weise wie wir Grüne in Altona Politik machen. Allein deshalb wäre es fair gewesen zu bleiben und jene Mitglieder der GAL Altona zu unterstützen, die mit der Arbeit der Fraktion nicht einverstanden sind. Das wäre vermutlich auch in Eurem Sinne gewesen.
Der GAL indirekt zu drohen, dass sie ihre Stammwähler verprellt zieht glaube ich nicht wirklich, da die GAL in Umfragen ständig dazu gewinnt. Kurz: Es bringt nichts.
Eine Partei ist immer nur so gut wie ihre Mitglieder. Leider haben wir (die Grünen bei der GAL Altona) es nicht geschafft, die Basis davon zu überzeugen, dass der Bauvorbescheid zum Buchenhofwald zurück gezogen werden sollte. Das liegt auch daran, dass zuwenig Mitglieder wirklich wissen welch wertvolles Biotop da zerstört wird. Uns fehlen einfach Leute mit einem Gespür für ökologisch relevante Themen. Deshalb wünsche ich mir machmal, dass mehr von solchen Leuten der GAL beitreten. Die meisten Öko's sind von der GAL allerdings so enttäuscht, dass sie daran gar kein Interesse haben. Und dann haben wir eben diese Situation in der zwar viele über die GAL meckern, selbst aber eben doch keine Lust auf Politik haben. Die Haltung ist o.k., nur darf man sich dann nicht über die Politik wundern.
Und wer die Grünen nicht mag, der kann es bei der ÖDP versuchen. Die haben in Altona gerade mal um die 10 Mitglieder und freuen sich bestimmt über Unterstützung. Also, wenn Euch die Grünen so gar nicht passen, dann setzt Euch bei der ÖDP ein. Dass macht bestimmt mehr Eindruck auf die GAL, als sie nicht zu wählen, denn davon bekommt sie bestimmt nicht viel mit.
Gruß
Andreas
Den Beitragstitel "Grün | Macht | Korrupt." habe ich in Anpielung auf eine Fachkonferenz der IGS 2013 unter dem Titel "Grün | Macht | Geld" gewählt.
Dieser Slogan ist nicht etwa kritisch zu verstehen, sondern die Initiatoren der IGS 2013, der Internationalen Gartenausstellung Hamburg, überlegen hier völlig im Ernst, wie sich Grün kommerzialisieren lässt, da die Pflege naturwüchsigen Grüns aus ihrer Sicht lediglich eine Haushaltsbelastung darstellt. Mit dem Slogan "Grün | Macht | Geld" werben sie für eine ungebremste Kommerzialisierung öffentlicher Grünflächen.
Zum Hintergrund:
Für die Internationale Gartenausstellung Hamburg sollen in Wilhelmsburg zahlreiche Grünflächen "umgewidmet" und Kleingarten vernichtet werden. Zusätzlich soll der Stadtteil durch die Verlegung der Wilhelmsburger Reichstraße aufgewertet werden.
Mal ehrlich, an den Grünen sind nur noch der Name und die Plakate grün. Eine grüne Grundhaltung ist schon lange verloren. Ich bin groß geworden, als die Grünen noch Pulli strickend und ihre Kinder säugend im Bundestag saßen. Als kleiner Steppke, der von Politik Null Ahnung hatte, fragte ich, was denn das für Leute seien. Damals waren die Grünen noch grün, setzten sich für die Natur ein und waren anders als die eingefahrenen Politiker. Das ist nicht mehr.
Grünen-Politiker sind mittlerweile "ganz normale "Politiker. Fest im Griff der Wirtschaft und die nächste Bonus-Zahlung im Blick. Bezeichnend finde ich in diesem Zusammenhang die Äußerung der Grünen Fraktionschefin Künast, die mit Blick auf die NRW-Wahl sagte: "Der Machtinstinkt der Grünen ist groß." Macht, nicht Bäume zählen bei den modernen Grünen.
Der normale Grünen-Wähler ist dann auch eher ein frustrierter Ex-CDUler, der mit seiner Partei unzufrieden ist und mit den Grünen noch etwas "fürs Gewissen" macht. Sprach dieser und setzte sich in seinen dicken Wagen ...