Impressionen vom Planungsausschuss: BSU hält Gartenstadt Altona für nicht seriös realisierbar
Heute fand die 51. Sitzung des Planungsausschuss im Sitzungsraum des Technischen Rathauses (EG), Jessenstraße 1 statt. Als Tagesordnungspunkt 1 stand der Sachstandsbericht zum Autobahndeckel A7 von Herrn Michael Scheuermann, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Amt für Landes- und Landschaftsplanung, auf dem Programm.
Bemerkenswerterweise handelte der Vortrag praktisch ausschließlich von dem Vorschlag des Hamburger Architekten Sven-Erik Dethlefs, auf dem Autobahndeckel Wohnungen zu bauen und eine emissionsfreie "Gartenstadt Altona" zu errichten.
Gartenstadt Altona nicht gewünscht
Herr Scheuermann gab zu, dass eine Bebaubarkeit der Deckelflächen heute technisch durchaus möglich ist. Der Bund als Grundeigentümer ist jedoch nicht bereit, die Autobahnflächen herauszugeben und behält sich für etwaige Notfällte Zugriffsmöglichkeiten vor.
Mit dem Hinweis "wir müssen eigentlich gar nicht weiter darüber reden" tat Herr Scheuermann es aber doch und jonglierte mit Zahlenbeispielen, wie sich die finanzielle Situation darstellen würde, sollte der A7-Deckel bebaut werden. Bei eingeschossiger Bebauung könnten nur 900 Wohneinheiten entstehen. Die resultierenden Grundstückskosten würden demzufolge bei 1.400 EUR je m2 liegen. Möglicherweise kämen noch 600 EUR für weitere Kosten hinzu.
Nach Einschätzung der BSU wäre eine direkte Bebauung des Autobahndeckels wirtschaftlich nicht weiter zu verfolgen. Auch sei Geschosswohnungsbau mit hoher Verdichtung aufgrund städtebaulicher Verträglichkeit hier nicht sinnvoll. Als Beispiel wurde der Imbekstieg herangezogen. Hier befinden sich Häuser bis auf drei Meter an der geplanten Baustelle - unmittelbar "vor der Nase" der Häuser wären mehrgeschossige Wohnungen mit darunter befindelicher Garagenebene sicherlich nicht verträglich. Dies sieht die Planung des Architekten jedoch gar nicht vor: die "Gartenstadt Altona" soll im Bereich des Bahrenfelder Deckels entstehen.
Als Fazit von Herrn Scheuermann ist eine seriöse Diskussion über die Deckelbebauung - unabhängig von der Lage mit dem Eigentümer - nicht ernsthaft zu führen.
Es wurde deutlich, dass die Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt kein Interesse hat, diese Option weiter zu verfolgen. Man darf sicherlich bezweifeln, dass Hamburger Behördenvertreter ernsthaft versucht haben, mit dem Bund darüber zu verhandeln.
Von einer Umweltbehörde könnte man erwarten, dass sie sich um europäische Förderprogramme bewirbt, damit Hamburg mit solch ökologische wie auch stadtplanerische Leuchtturm-Projekten eine weltweite Vorreiterrolle einnehmen zu können. Schön, wenn sich anschließend noch Nachhaltigkeits-Expertise exportieren lässt.
Von einer Baubehörde verwundert es nicht, wenn Grundstücke, bei denen der Eigentümer jederzeit vorbeikommen und die Lauben kurzerhand wegräumen kann, als Dauerkleingärten für kleingärtnerische Nutzung vorgesehen werden. Dies zeigt, welchen Stellenwert Ökologie in einer vereinigten Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt besitzt. Die Folgen einer einsetzenden Klimaveränderung mit zunehmend extremen Wetterlagen sind nach diesem langen Winter und extremen Sommer für jederman in Hamburg spürbar.
Autobahnmeisterei
Auf Nachfrage betr. der Autobahnmeisterei erteilte Herr Scheuermann einer südlichen Deckelverlängerung bis dicht an den Elbtunnelausgang eine Absage. Aus Kostengründen kann dieser Deckelausbau - unabhängig von einer Verlegung der Autobahnmeisterei - nicht realisiert werden.
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Kommentare
Fahrt zur Hölle, Prostitiker!
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Mensch Ralf, Politik ist doch das schmutzigste Geschäft überhaupt. Du...
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Wundert dich das? Nicht wirklich. Wir haben doch die ganze Zeit mit...



Kommentare
Die Altonaer Politiker sind ernsthaft der Meinung, dass für 270 m Deckel südlich der S-Bahn statt vom Bund gezahlter Galerie 20 Mio. € aus dem Haushalt gezahlt werden sollten. Wie viele Leute profitieren eigentlich davon? Der Altonaer Politik scheinen hier die Maßstäbe abhanden gekommen zu sein.
Es wird noch immer nicht unterschieden zwischen einem Deckel, der aus Lärmschutzgründen notwendig ist, der bis zum Bahrenfelder See reicht und vom Bund gezahlt wird, und einem Luxusdeckel, den Hamburg am Volkspark bauen will, wo nur wenige Menschen wohnen. Da gibt es in Hamburg wohl dringendere Lärmschutzprobleme.
Das Hamburger Abendblatt berichtet heute zum Autobahndeckel:
167 Mio. € soll der Hamburger Deckel kosten. 40 Mio. € sollen direkt aus dem Haushalt kommen, der Rest soll mit dem Tafelsilber (35 ha Grünflächen) bezahlt werden, Weggebrochen ist jetzt der Verkauf der Trabrennbahn mit 24 Mio. €. Zwischenfinanzierung und Kosten für den Planungsstab der BSU (allein ca. 6 Personen in der Projektgruppe Landesplanung) wurden lieber nicht mit genannt.
Im Herbst soll die Bürgerschaft die Finanzierung beschließen. Ob der Bund die Mittel mittlerweile in die Finanzplanung eingestellt hat, ist nicht bekannt.