Schreberspacken? Klingt gut!
22. September 2008 - 11:32 | podagraria
Nunja, vielleicht klingt es auch erst beim zweiten Hinhören gut... Aber allemal ist es ein Ausdruck, der aufmerken lässt - und damit sicher nicht schlecht geeignet für ein Portal, dass den Schrebergärtnern mehr Öffentlichkeit verschaffen soll... Hier also ist diese Plattform (www.schreberspacken.de), wo sich Gartenfreunde und -freundinnen virtuell treffen, austauschen und für alle Interessierten nachlesbar schreiben können - speziell zur geplanten Kündigung von bis zu 900 Kleingartenpachtverträgen zwecks Finanzierung des verlängerten Bahrenfelder Autobahndeckels.
Ist (S)Packen die Steigerung von Pack? Für einen erbosten Kommentator dieses Abendblatt-Artikels offenbar schon... besonders vermutlich, wenn die Lesart "Schreber(s) packen es, (den Autobahndeckel zu stoppen)" womöglich Wirklichkeit werden sollte.. Allerdings habe ich bisher nicht herausgelesen, dass die Kleingärtner gegen den vor Verkehrslärm schützenden Autobahndeckel vorgehen wollen. Vielmehr geht es ihnen um den Erhalt ihrer Gärten, die über die Ausweisung und den Verkauf als Bauland zur Finanzierung der Lärmschutzmaßnahme herangezogen (als "Austauschflächen verwertet") werden sollen. Ist ja eigentlich eine (zunächst mal) vernünftig erscheinende Überlegung seitens der Stadt, Geldquellen jenseits von Steuergeldern zu erschließen, denn das solchermaßen verscherbelte "Tafelsilber" würde ja zumindest in Hamburg verbleiben und so sehr viel laufende Einnahmen dürfte die derzeitige Nutzung durch die Kleingärten auch nicht erbringen(?). Aber was ist mit dem Grünanteil der "grünen Metropole"? (Es wird gemunkelt, dass längst nicht alle der aufzugebenden Gärten über der A7 im bisherigen Umfang neu erstehen könnten - mal abgesehen von der angezweifelten ausreichenden Erdtiefe von 1,5 m) Was ist mit der Lebensqualität in der "schönsten Stadt der Welt"? Den "Spacken" (dem "Packen"?) scheint es nicht nur um die eigene Bequemlichkeit im Gartenzwergidyll zu gehen - wie sonst wäre die (mühselige!) Auflehnung gegen die Zerschlagung gewachsener nachbarschaftlicher Strukturen und und Zerstörung langjährig verwurzelter Pflanzungen erklärbar? Den Wert von Kleingärten und Kleingartenvereinen darzustellen - für die unmittelbaren Nutzer, für Besucher und für die Umwelt - dürfte das Anliegen dieser Website sein. Und dass hier noch viel getan werden muss, bis das in den Köpfen mancher Menschen ankommt, zeigt der besagte Kommentar, der für die Namensgebung Pate stand...
Bei etwas weiterem Nachforschen - die Initiative Apfelbaum braucht Wurzelraum (nebenbei gesagt auch ein ausnehmend schöner Name) hat auf ihrer Website eine Reihe von Links zum Thema Kleingärten zusammengestellt - stieß ich dann auf den Hinweis, eine wissenschaftliche Untersuchung der Umweltbehörde zu Kleingärten in Hamburg sei "kassiert" worden. Häh? Nungut, vermutlich ist sie nur aus dem Netz genommen worden... Aber warum? Es wäre doch eine schöne Quelle - auch für Kleingartengegner - sich fundierte Informationen über das Hamburger Kleingartenwesen zu verschaffen. Oder hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass alles Humbug war, was die Wissenschaftler dort zusammengeschrieben haben? Soll ja bisweilen vorkommen, dass Studien wieder aus dem Netz genommen werden, weil es plötzlich unklug erscheint, das Thema allzu öffentlich zur Diskussion zu stellen...
[Nachtrag: Diese Kurzfassung eines Gutachtens von 2003 als PDF-Datei findet sich aber doch noch auf der Website der Umweltbehörde]
Okay, dann bleibt noch der Weg, sich an anderweitigen Netzveröffentlichungen zum Thema Kleingärten zu orientieren - oder auch an eigenen Erfahrungen... Denn, ja, tatsächlich gehöre auch ich zu den Pächtern eines Kleingartens. Die Nutzung gestaltet sich zwar derzeit eher extensiv - mal euphemistisch ausgedrückt -, aber gerade jetzt am Wochenende bin ich einmal wieder dort gewesen. Schön wars, dieses vollständige Abstreifen des Alltagsstresses, tief durchatmen, Ruhe, sehen, was alles in der Zwischenzeit gewachsen ist - dort, wo es sollte und wo eher nicht..- , feststellen, dass die Vögel die Ernte der Weintrauben übernommen haben, sich freuen, dass sie ein paar verspätete Johannisbeeren übersehen haben, Äpfel einsammeln - vergammelte und essbare -, auf den Baum steigen und Äpfel pflücken (ja, in alten Kleingärten gibt es ab und an auch noch bekletterbare Apfelbäume, in denen sich Kinder auch mal ein Baumhaus bauen können), nebenbei noch ein wenig Gras auszupfen, schnell noch ein wenig Dekomaterial für das Stadtteilfest zusammensuchen - Hagebutten, Hopfen, Herbstastern, belaubte Zweige...
Und dann schnell wieder weg. Schade! Ein letzter Blick: Oh, da wachsen ja Quitten!? .. achja, die Unterlage des alten Birnbaums, den wir irgendwann wegen des nicht mehr in den Griff zu kriegenden Birnengitterrostes abgesägt hatten, die hatten wir weiterwachsen lassen.. Allein schon wegen der schönen Wuchsform der Quittenbäume und der Blüten... Naja, dann ist das Experiment ja zu was gut gewesen! Noch sind die Früchte nicht reif, aber bald! Und noch eine Frucht - und was für eine: Ein Prachtexemplar von einem Apfel! Bestimmt mehr als 11 cm im Durchmesser, grün mit Anklang ins Gelbliche, fest, leicht säuerlich, lecker! Vermutlich durch einen Fußball abgeschossen, denn es ist noch Fruchtholz dran, wie er so im Rhabarberbeet liegt.. Und der Baum dazu? Hmm, ein echtes Eigengewächs... Sämling irgendeines unbekannten Groß-Borsteler Schrebergartenapfelkerns... Auch schon über 3 Meter hoch (und dabei sollte er doch mal als Unterlage für Veredelungsexperimente dienen... Und eigentlich müsste der ja noch einen Namen bekommen... Schreberpacken? Klingt zumindest interessant... Und nicht verkehrt für solch einen Klops von Apfel... Mal überlegen...
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Kommentare
Hallo podagraria,
Vielen Dank für den Hinweis auf und den Link zum PDF!
Werde es sicherheitshalber in Kürze als eigenständigen Download hier auf der Seite mit zur Verfügung stellen.
Wäre doch schade, wenn es irgendwann aus dem Netz verschwinden sollte... :-)