Platzverweis für Vattenfall: Impressionen von der Info-Veranstaltung im Kulturwerk vom 14.01.2010
Die Infoveranstaltung stand von vorn herein im Verdacht, dass Vattenfall lediglich das vorgeschriebene Verfahren für Bürgerbeteiligung abspult. Besonders nach dem heutigen Gerichtsurteil stand die Veranstaltung von Vattenfall unter keinem besonders guten Stern: das Hamburger Verwaltungsgericht hat den Eilantrag des BUND auf Baustopp und gegen die Genehmigung der Moorburgtrasse heute um 13:05 abgewiesen. Dies bedeutet nicht, dass das Vorgehen von Vattenfall rechtens ist, sondern dass der BUND nicht klageberechtigt ist.
Laut Begründung des Gerichts ist das Vorhaben mit erheblichen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft verbunden.
Für eine Umweltverträglichkeitsprüfung würden jedoch höhere Anforderungen gelten. Danach sei erst ab der Rodung von über 10 Hektar - also ca. 2.500 Bäumen - eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. 397 Bäume in Altona sind demnach zu wenig für eine Umweltverträglichkeitsprüfung und damit einhergehend die Beteiligung von Umweltverbänden.
Zu Beginn der Veranstaltung rollten Aktivisten der Initiative "Moorburgtrasse-stoppen" ein großes Transparent "Platzverweis für Vattenfall" hinter den beiden Vattenfall-Botschaftern aus. Anstelle der vorgesehen Tagesordnung wurde der Verlauf der Veranstaltung von kritischen Zuschauerfragen bestimmt. Der Moderator bemühte sich zwar nach Kräften, die Veranstaltung wieder in den geplanten Rahmen zurück zu führen, hatte gegen den aufgestauten Zorn aber wenig Chancen.
Das Transparent hing zunehmend erst über und später vor den Köpfen der Vattenfall-Manager. Die Redebeiträge wurden nun nicht mehr dem Moderator sondern überwiegend von Aktivisten geführt, die sich das Mikrofon "schnappten" und Vattenfall die gesammelten Sünden der jüngeren Vergangenheit vorhielten. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, die Manager waren ganz froh, sich hinter dem Transparent verstecken zu können. Ein lustiges Bild entstand, als einer der beiden mit einer Hand das Transparent etwas anhob, um darunter hindurch einen Blick in den Zuschauerraum zu wagen. Leider war ich mit meiner Kamera nicht schnell genug - der Kopf war dann wieder verschwunden...
Als störend habe ich eine Gruppe empfunden, die den Moderator lärmend und im Duz-Stil auf verbal niedrigem Niveau angriffen haben. So waren die wertvollen Redebeiträge bzw. Fragen der Aktivisten teilweise leider nicht mehr zu verstehen.
Es bildeten sich spontan Ruf-Chöre - erst mit "Ihr könnt gehen, die Bäume bleiben stehen", dann nur noch "haut ab, haut ab, haut ab". Die Botschaft war unmißverständlich. So endete diese Veranstaltung bereits nach 29 Minuten.
Interessanter wird sicherlich die Veranstaltung am 28.01. in der Friedenskirche. Es soll ein "öffentliches Streitgespräch" im besten Sinne stattfinden. Hier haben Staatsrat Maaß (BSU / GAL) als auch Dr. Schubach, Vattenfalls Chef für die Region Hamburg zugesagt. Außerdem sitzen der BUND (Braasch), der Umweltpastor der nordelbischen Kirche Schalk und jemand von uns auf dem Podium. Hier gibs dann den großen argumentativen Schlagabtausch, moderiert von Pastor Brandi.
Die Aktivisten der Initiativen bereiten sich nun auf den Tag X vor, an dem die ersten Bäume gefällt werden sollen. Sie genießen eine breite Sympathie in der Bevölkerung und es ist davon auszugehen, dass sie etliche Menschen mobilisieren werden, die sich gegen eine Zerstörung von Parks für eine CO2-Schleuder zur Wehr setzen werden.
Wer sich über die unwiderufliche Abholzung von 300 alten Bäumen informieren möchte, die derzeit von RobinWood und engagierten Anwohnern besetzt werden, findet dazu weitere Informationen unter http://www.moorburgtrasse-stoppen.de/ und http://www.gruenzug-altona.de/


Kommentare
altona.info hat die Veranstaltung aufgezeichnet und bei YouTube online gestellt:
Hier eine Übersicht der Presseberichte zum Urteil von gestern und heute:
Der NDR berichtet heute über den Hintergrund des katastophalen Urteils des Verwaltungsgerichts:
Umweltschützer sind entsetzt:
Hier geht es zum vollständige Artikel auf www1.ndr.de.