"Politik auf dem Holzweg" Analyse politischen Umgangs mit Natur in Zeiten des Klimawandels
Durch einen von @Buchenhofwald getwitterten Link bin ich heute auf den Beitrag "Politik auf dem Holzweg" aufmersam gemacht worden.
Die Autorin analysiert in dem Beitrag den politischen Umgang mit Natur in Zeiten von Klimawandel. Einerseits "reden PolitikerInnen verschiedenster Couleur im Brustton der Überzeugung vom dringend notwendigen Klimaschutz, von Ökologie und Nachhaltigkeit", andererseits "werden sowohl weltweit (Beispiel Regenwald), als auch lokal, z.B. in den Umweltzonen der deutschen Städte, immer mehr ökologisch wertvolle Bäume abgeholzt."
Die von der Autorin beschriebenen Vorgänge des "Fakten schaffens" konnten wir aktuell gerade wieder in Zusammenhang mit dem Buchenhofwald beobachten. Trotz - oder wegen - unklarer Rechtslage ließ der Bezirk alten Baumbestand abholzen.
In der Debatte um den Klimawandel und die nötige CO2-Reduktion wird aber der enorme Wert der Bäume und Wälder vernachlässigt. Bäume wandeln klimaschädliches CO2, das für den Treibhauseffekt verantwortlich gemacht wird, in Sauerstoff um. Beispielsweise verwertet eine 100 Jahre alte, freistehenden Buche bei sehr guten ökologischen Voraussetzungen 6 kg CO2 am Tag und erzeugt 5 kg Sauerstoff. (Quelle: Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, 2000). Wenn so ein Baum gefällt wird, kann der verloren gegangene ökologische Nutzen dieses Baumes nur durch 5.400 junge Bäume mit 0,5 m3 Kronenvolumen ersetzt werden.
Die Autorin stellt fest, dass das Thema in den Medien vernachlässigt wird und fordert rechtliche Änderungen, ohne die Naturschutz Makulatur bleiben wird. In den Haushalten der Städte verkommt Naturschutz zu einer Verfügungsmasse, an der größtmöglich gespart werden soll.
Die PolitikerInnen verschiedenster Parteien und die Behörden vor Ort opfern den Baumschutz zu oft kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen und überteuerten sowie überflüssigen Infrastruktuprojekten (s.o.), Baumaßnahmen und der vermeintlichen Verkehrssicherheit. Unbebaute Flächen werden verkauft, um Haushaltslöcher zu stopfen. Bäume werden bisweilen einfach deshalb gefällt, weil deren Pflege den verschuldeten Kommunen und Ländern zu teuer vorkommt. Dabei sind die Kosten für Pflege und Personal bezogen auf den großen CO2 – reduzierenden Nutzen der Bäume minimal. Sinnvolle langfristige Berechnungen und Planungen werden in diesem Zusammenhang aber nicht vorgenommen.
- Mit dem Totschlagargument "Gefahr im Verzug" werden häufig unumkehrbare Fakten geschaffen werden. Solche Fälle sollten von unabhängigen Baumgutachtern überprüft werden müssen.
- Baumaßnahmen, bei denen Bäume tangiert werden können, müssen von ökologisch orientierten BaumgutachterInnen überwacht werden.
- Ämter, Unternehmen und private Grundstückseigner, die gesunde Bäume fällen, müssten finanziell empfindlich bestraft werden.
- Unvermeidbare Baumfällungen müssten durch adäuate (siehe oben!) Neupflanzungen ausgeglichen werden.
Laut der TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) des Umweltökonomen Pavan Sukhdev,schlägt der weltweite Waldverlust jährlich mit zwei bis fünf Billionen Dollar zu Buche. Enthalten sind u.a. die Kosten der CO2-Aufnahme. Die Naturzerstörung ist damit teurer als die derzeitige Wirtschaftskrise.
Anuschka Guttzeit ist Politologin und Mitbegründerin der Berliner Bürgerinitiative "Bäume am Landwehrkanal", die sich seit 2007 für die ökologische Sanierung des Landwehrkanals einsetzt. Das Engagement der BI hat zur Initiierung eines der größten deutschen Mediations-verfahren geführt. Zusätzlich "netzwerkt" sie im bundesweiten, unabhängigen Bürgerinititiativen – Netzwerk "Bürger für Bäume". Zum Themenkomplex hat sie zwei Petitionen beim Deutschen Bundestag eingereicht.
Der vollständige Beitrag "Politik auf dem Holzweg" befindet sich hier.
Bildquelle: zeitrafferin / flickr



Kommentare
Lieber Ralf Hendel,
vielen Dank für den Hinweis auf meinen Artikel "Politik auf dem Holzweg" auf der Webseite von "Schreberspacken" bzw. in Ihrem Weblog. Der von Ihnen geschilderte Vorgang im Buchenhofwald scheint mir typisch für die vorherrschende Handlungsweise in ganz Deutschland zu sein. Ich würde mich sehr freuen, wenn unter den bundesweiten Bürgerinitiativen eine grundlegende, prinzipielle Diskussion mit Umwelt- und VerkehrspolitikerInnen aller Parteien in Gang kommt. Denn so wie es ist kann es nicht bleiben.
Wie sollte denn der Wert der ausgewachsenen ökologisch wertvollen Bäume, die heute massenweise gefällt werden, ersetzt werden können? Selbst wenn evtl. in ca. 5 Jahren, - wenn wir höchstwahrscheinlich verstärkt unter gesundheitsgefährdenden Hitzeperioden infolge der Klimaerwärmung leiden werden, - teure Klimaschutz - Aufforstungsprogramme finanziert werden würden, könnte so eine Neuanpflanzungsprogramm kleiner Bäumchen den Co2 -Nutzen der heute gefällten Bäume meiner Ansicht nach nicht im Geringsten ausgleichen.
Hier findet sich übrigens ein diskussionswürdiges, sehr interessantes Interview mit Frau Prof. Claudia von Werlhof:
http://diestandard.at/1265852135844/Interview-Kapitalismus-ein-Zerstoerungsprojekt
Mit freundlichen Grüßen
Anuschka Guttzeit
Mitbegründerin BI "Bäume am Landwehrkanal", Berlin
Mitglied bundesweites, unabhängiges Netzwerk "Bürger für Bäume"