Sicherheit deutscher Atomkraftwerke aus Betreibersicht von Vattenfall
Der Spiegel berichtet heute in seinem Beitrag "Schwedens Regierung drängt Vattenfall zu Chefwechsel", daß sich Vattenfall im heftigen Streit mit seinem Eigentümer liegt: "Schweden will den Chef des Energieriesen austauschen. Die Regierung in Stockholm erfuhr nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen erst kürzlich von einer Regelung, derzufolge der Konzern im Falle eines deutschen Atomunfalls wohl mit Milliarden haften müsste."
Die Sicherheit heutiger Atomkraftwerke wird von Betreiberseite intern offenbar doch ganz anders eingeschätzt als offiziell verlautbart. Immerhin übt die Schwedische Regierung massiv Druck auf Vattenfall aus und will den Chef austauschen, weil dieser keine Vertragsklauseln eingebaut hat, die eine Begrenzung der Schadensersatzforderung im Fall eines atomaren Unfalls vorsehen. In diesem Fall wäre der Konzern Vattenfall schlagartig bankrott. Dies wird seitens der Schwedischen Regierung als schwerer Managementfehler vorgesehen.
Daran finde ich zwei Dinge bemerkenswert:
- Der Konzern sorgt sich mehr um seine Existenz als um die Strahlenschäden und Krebstoten, die Menschen in Deutschland erleiden würden.
- Gemäß der offiziell verlautbarten Wahrscheinlichkeit von Reaktorunfällen nur einmal in zehn Millionen Jahren vorkommen. Es ist unwahrscheinlich, dass es Vattenfall in seiner gegenwärtigen Rechtsform bzw. mit den entsprechenden Haftungsverpflichtungen bis dahin noch gegen wird. Dass diese Tatsache als Managementfehler eingeschätzt wird und personelle Konsequenzen an der Spitze nach sich zieht, lässt darauf schließen, dass der Konzern in seinem internen Risikomanagement von anderen Wahrscheinlichkeiten ausgeht.
Diese Praktiken lassen den Konzern, der bereits in Zusammenhang mit der geplanten Fernwärmetrasse an das Kohlekraftwerks Moorburg, für die wertvoller Baumbestand und Parks in Hamburg vernichtet werden sollen, zusätzlich in zweifelhaftem Licht erscheinen.
Zur Wahrscheinlichkeit von Reaktorunfällen zitiere ich aus dem "AKW-Wiki vom Netzwerk Regenbogen"
Die erste Studie, die detaillierte Aussagen über die Wahrscheinlichkeit von Reaktorunfällen machte, war der 1975 erschienene 'WASH-1400', der unter der Bezeichnung "Rasmussen-Report" bekannt wurde. Danach würde der schlimmste Unfall eines 1000-MW-Reaktors zu 3.300 Soforttoten und 45.000 Fällen von Früherkrankungen, sowie zu einem Sachschaden von 14 Milliarden Dollar führen. Gesundheitliche Spätschäden eines solchen Unfalles werden mit 45.000 Krebstoten, 240.000 Fällen von Schilddrüsenkrebs und etwa 5.000 genetischen Schäden angegeben. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Unfall sei eins zu einer Milliarde Jahre pro Reaktor. Bei hundert Reaktoren würde dies bedeuten, daß ein solcher schwerer Unfall nur einmal in 10 Millionen Jahren vorkommt.




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