Vattenfall will zur Energieversorgung Berlins eine Million Tonnen Tropenholz verbrennen
Die Organisation "Rettet den Regenwald e.V." ruft zu einer Protestaktion auf, weil der Energiekonzern Vattenfall und Berlins Senatsregierung zur Energieversorgung der Hauptstadt planen, massiv Tropenholz aus Westafrika zu verfeuern. Vattenfall hat bereits einen Vertrag zum Import von einer Million Tonnen Gummibaumholz aus Liberia unterschrieben.
Bitte helfen Sie, die Berliner Senatsregierung unter Bürgermeister Wowereit und Vattenfall vom Holzweg abzubringen und unterschreiben Sie den Brief an Berlins Regierung und den Vorstandvorsitzenden von Vattenfall online:
An den Senat von Berlin
Der Regierende Bürgermeister
Herrn Klaus WowereitSenatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz
Umweltsenatorin Frau Kathrin Lompscher
poststelle@senguv.berlin.deVattenfall Europe Herrn Tuomo Hatakka,
Vorstandsvorsitzender
tuomo.hatakka@vattenfall.com, info@vattenfall.deSehr geehrter Herr Bürgermeister Wowereit, sehr geehrte Frau Umweltsenatorin Lompscher, sehr geehrter Herr Vorstandsvorsitzender Hatakka,
die geplante massenhafte Verbrennung von Tropenholz in Berliner Großkraftwerken lehne ich ab. Für die Biomasseheizkraftwerke in Berlin Lichterfelde und im Märkischen Viertel in Reinickendorf einschließlich der Beifeuerung von Holz in den bestehenden Anlagen (Reuter West und Moabit) benötigt Vattenfall nach eigenen Angaben eine Million Tonnen Holz pro Jahr. Diese Holzmenge lässt sich weder aus regionaler Produktion noch auf umweltfreundliche und sozialverträgliche Weise beschaffen.Der Einsatz von Rest- und Altholz aus dem Umland ist nur zu einem kleinen Anteil möglich, da nicht mehr Holz pro Jahr geschlagen werden darf als nachwächst und bereits jetzt mehrere Dutzend Biomassekraftwerke in Brandenburg mit anderen Industriezweigen wie der Papier- und Spanplattenproduktion um den Rohstoff Holz konkurrieren. Generell ist die stoffliche Nutzung aus ökologischer Sicht und Gründen der Energie-Effizienz in jedem Fall der energetischen Verwertung vorzuziehen.
Vattenfall hat einen Vertrag mit dem niederländischen Unternehmen Buchanan Renewable Energy (BRE) zum Import von einer Million Tonnen Gummibaumholz aus Westafrika geschlossen. Das Holz soll von Gummibaumplantagen in Liberia stammen, die als Folge zerstörten Regenwalds entstanden sind. In dem Land steht nach Angaben von Fachleuten nicht genügend Holz für den Export zur Verfügung. Holzkohle aus Gummibaumholz wird von der Bevölkerung als Brennstoff zum Kochen verwendet. Bereits jetzt haben die Holzkäufe und Exporte von BRE zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Auswirkungen in den Städten des Landes geführt, die auf Holzkohle angewiesen sind. Die Holzkohlepreise haben sich dadurch verdoppelt.
Dadurch nimmt der Druck auf die Regenwälder in Liberia weiter zu - zur Suche von Feuerholz und zu deren Umwandlung in Gummibaumplantagen. Auf den bestehenden Plantagen herrschenden katastrophale Zustände, darunter verbreitete Kinderarbeit. Die Vereinten Nationen attestierten sogar „sklavenartige Arbeitsbedingungen“, „Gesetzlosigkeit“ und schwere Umweltverschmutzung 1.).
Währenddessen kommt der Bau eines 36 MW Elektrizitätskraftwerks in der Hauptstadt Monrovia seit einem Jahr nicht voran. Buchanan Renewable (BR), ein weiterer Unternehmenszweig der Niederländer, sollte im Auftrag der Regierung die katastrophale Stromversorgung in Monrovia verbessern. Auch dieses Kraftwerk soll mit den Holzchips betrieben werden. Es steht zu befürchten, dass es für BR wesentlich attraktiver ist, die Holzchips an Vattenfall zu verkaufen, als sie lokal für die Stromerzeugung in Monrovia zu nutzen. Liberia ist eines der ärmsten Länder der Erde.
Außerdem verschlingt der weite Transport des Gummibaumholzes – vom Landesinneren Liberias zum Hafen an der Küste und dann über 5 500 Kilometer von Liberia nach Berlin – enorme Treibstoffmengen und ist für Klima und Ökologie sehr schädlich. Gummibaumholz ist keinesfalls ein nutzloses Abfallprodukt, wie Vattenfall und BRE behaupten. Das Holz wird seit Jahren für die Fertigung von Küchenutensilien, Spielzeug und Möbeln genutzt und in dieser Form in großen Mengen nach Deutschland importiert.
Völlig inakzeptabel ist es auch, dass Vattenfall und der Berliner Senat erst jetzt Kriterien untersuchen, ob und wie die benötigte Biomasse „nachhaltig“ erzeugt werden kann. Generell ist es fraglich, ob Nachhaltigkeitskriterien in einem Land wie Liberia anwendbar sind. Viele wichtige Faktoren wie indirekte Landnutzungsänderungen, d.h. die Verdrängung bestehender Aktivitäten, und der Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise, sind damit überhaupt nicht zu beherrschen.
Ich bitte sie deshalb, den Bau der Biomasseheizkraftwerke in Berlin sofort zu beenden einschließlich aller Pläne zum Import von Holz und anderer Biomasse zur energetischen Nutzung.
Mit freundlichen Grüßen
Fußnote:
1. http://unmil.org/documents/human_rights_liberiarubber.pdf
"Rettet den Regenwald e.V." ist ein gemeinnütziger Verein, der sich um den Erhalt des Regenwalds - und damit um den Schutz der "grünen Lunge" unseres Planeten kümmert, die - wie sollte es anders sein - überall von kurzfristigen kommerziellen Interessen einzelner Konzerne bedroht ist.



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