Zum Flugblatt der Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach": "Achtung: Bauernfängerei"
Weil ich von mehreren Personen gebeten wurde, das Flugblatt der Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach" auf dieser Seite zu veröffentlichen, möchte ich dieser Bitte hiermit nachkommen.
Das zweiseitige Flugblatt wurde vor einiger Zeit im Raum Bahrenfeld in Briefkästen verteilt.
Dem Original-Wortlaut, den ich hier ungekürzt wiedergeben werde, möchte ich eine Bemerkung voranstellen:
Die Bürgerinitiative "Ohne Dach ist Krach" kämpft seit langem für den Bau des Autobahndeckels über der A7 - ein Ziel das wir ebenfalls verfolgen. Zu einem frühen Zeitpunkt haben die Initiatoren allerdings die Idee entwickelt, diesen Autobahndeckel durch den Verkauf von Kleingartenflächen zu finanzieren. Eine Idee, an der sie offenbar heute noch festhalten.
Die vehemente Abneigung gegen uns Kleingärtner, kann ich nicht nachvollziehen.
Der Politik muss man zugestehen, dass sie es prima verstanden hat, die beiden Initiativen - die im Grunde inhaltlich gar nicht weit voneinander entfernt sind - gegeneinander auszuspielen. In Planungsausschüssen fiel bereits die Bemerkung von "zwei Zügen, die aufeinander zu rasen."
Hier also der Originaltext, den ich nicht kommentieren möchte:
Ohne Dach ist Krach
Bürgerinitiative Bahrenfeld Othmarschen für eine Überdeckelung der BAB 7
Achtung: Bauernfängerei
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger!
Aufruf: Damit nicht einige wenige Kleingärtner den langen Deckel verhindern, der ca. 25.000 Menschen schützen soll, benötigen wir Ihre Hilfe: Schicken Sie bitte alle anliegenden Postkarten unterschrieben ab oder bringen Sie diese zu einer der folgenden Adressen:
Bernt Grabow, Gottorpstr. 10, 22605 Hamburg, Tel.: 8801181
Magdalene Lahs, Emkendorfstr. 46b, Tel.: 8806050
Berthold Schulz, Grünewaldstr. 10a, 22607 Hamburg, Tel.: 8904509
Margot Schütte, Lutherhöhe 13, 22761 Hamburg, Tel.: 891613
Wir werden Ihre Karten dann weiterleiten!
Bei diesen Adressen können Sie zudem zusätzliche Postkarten erhalten, falls Sie weitere Mitstreiter gewinnen.
Für Ihre Mithilfe danken wir Ihnen sehr; wir müssen dieses sinnvolle Projekt unbedingt retten und gegen egozentrische Betonköpfe in den Kleingärten durchsetzen. Partikularinteressen dürfen das Allgemeinwohl nicht verdrängen!
Die Bürgerinitiative beschreitet diesen Weg, weil ein eigenes Bürgerbegehren keinen Sinn macht, denn seine Zielsetzung entspräche der bereits eindeutigen Beschlusslage der Bezirksversammlung.
Warum gehen wir diesen Weg? Zur Beantwortung dieser Frage hier einige Anmerkungen:
1. Situation: Der Ausbau der BAB 7 auf 8 Fahrstreifen im Bereich Bahrenfeld/Othmarschen zwingt den Betreiber zur Einhaltung niedrigerer Grenzwerte für den Lärmschutz. Das Gutachten der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) geht von ca. 25.000 betroffenen Menschen aus, die endlich geschützt werden müssen, weist aber ftir unseren Bereich lediglich einen Deckel von 730 m Länge aus; der Rest wird mit Lärmschutzwänden versehen, und eine Stadtteilreparatur sowie eine Stadtentwicklung finden nicht statt. Aber schon die DEGES schlägt vor, einen längeren Deckel zu bauen. Dieser lange Deckel wird seit vielen Jahren von allen Parteien gefordert und ist auch von der Bezirksversammlung Altona mehrfach einstimmig eingefordert worden.
2. Finanzierung: Der Bund stellt im Rahmen des Ausbaus für den Lärmschutz 250 Mio. € zur Verftigung, Hamburgs Anteil für einen langen Deckel beträgt der BSU zufolge 127 Mio. €, und diese Summe ist finanzierbar. Dieses Projekt ist ohne Frage ein Hamburger Anliegen. Neben unstrittigen Flächen, die zur Finanzierung herangezogen werden, muss aber ftir eine Restfinanzierung auf Flächen zugegriffen werden, die auf die Deckel- und Böschungsflächen verlagert werden: so entsteht hier die ,Grüne Brücke' vom Volkspark bis zur EIbe. Die verlogene Kampagne der Kleingärtner, initiiert von einer kleinen Gruppe, spricht in diesem Zusammenhang von 900 Kleingärten - es sind aber nur maximal. 400! Sie gipfelt in verlogenen Begriffen wie "vernichten" und "verkaufen" - das sind ganz üble Machenschaften! Denn kein Garten wird vernichtet, sondern lediglich verlagert; es entstehen sogar zusätzliche Grünflächen in erheblichem Umfang!
3. Verhältnismäßigkeit: Die Anwohner der BAB 7 ertragen seit nunmehr fast 34 Jahren den ungeheuren Lärmterror, der zudem ständig wächst, und das an jedem Tag und in jeder Nacht! Kleingärten dagegen sind von November bis Februar weitgehend ungenutzt, ansonsten werden sie gelegentlich aufgesucht. Und das sollen gleichgewichtige Interessen sein? Womit rechtfertigen einige wenige Kleingärtner ihr Beharren auf einer Position, die tausende ständig betroffene Menschen ihrem Schicksal überlässt? Diese wenigen Kleingärtner fühlen sich berechtigt, durch eine Unterschriften- und Postkartenaktion das überzeugende Gesamtkonzept zu zerstören und politische Prozesse zu blockieren! Dazu ist ihnen jede Bauernfangerei recht, sie schalten ihre Organisation als Regiefaktor ein und produzieren so eine Untergangsstimmung: Das ist eine groteske Betroffenheitsheuchelei!
4. Kontaktversuche: Wir haben als Bürgerinitiative immer wieder Kontakte und Gespräche mit den Kleingärtnern gesucht, so am 10.01.1995 und am 26.09.1996 mit Ingo Kleist, dem damaligen Vorsitzenden des Landesbundes, am 12.11.1996 mit Kleingartenvorständen, ab 17.12.1997 in gemeinsamen Konzeptentwicklungen mit Kleingärtnern - von den Scharfmachern rigoros unterbunden, zudem am 22.10.1997 mit Kleingartenvertretern, am 25. und 27.01.1999 sowie am 25.02.1999 mit verschiedenen Kleingärtnern. Am 12.05.1999 wollte der Pflanzungsexperte Prof. Krupka aufgrund unserer Einladung zu Kleingärtnern sprechen, wurde aber niedergeschrieen. Endgültig abgebrochen wurden alle unsere Bemühungen durch rigide Äußerungen der Kleingärtner:
"Wir hassen Euch" (so Fr. Dr. Hufnagel in einer Sitzung in der BSU mit Senator Gedaschko und Staatsrat Fuchs) und "Ich komm' mit der Mistgabel und stech Dich ab" (Kleingärtner zum Sprecher unserer BI am 15.07.2005).
5. Fazit: Jeder zu verlagernde Kleingärtner erhält gemäß Bundeskleingartengesetz einen neuen Kleingarten auf der Deckelfläche, kein Kleingarten wird vernichtet! Alle werden eingebunden in die Grüne Achse Volkspark-Elbe. - Die Obstbauversuchsanstalt Jork und selbst der Landesbund der Gartenfreunde haben bestätigt, dass Pflanzungen auf dem Deckel ohne Einschränkungen möglich sind. Zudem verursacht die Verlagerung für den einzelnen Kleingärtner keine Kosten, beinhaltet aber eine Bestandsgarantie für die Gärten! Verlagert werden höchstens 400, nicht aber 900 Kleingärten.
6. Presseauszug:
Kommentar aus dem Altonaer Wochenblatt; Nr. 36 vom 03.09.2008, von Christiane Handke-Schuller:
Was für eine Heuchelei!
"Wir sind nicht gegen den Autobahndedel", sagen die Kleingärtner. "Aber unsere Schrebergärten dafür hergeben? Wo die doch allen so viel Freude machen? Nee!" Und Altonas Linke sekundiert: "Das Geld fur den Deckel lässt sich doch bestimmt auch anders organisieren. ... Wie? Das ist nicht unser Problem!
Was fur eine Heuchelei! Erstens: Wem machen die Kleingärten Freude außer den paar Kleingärtnern in Altona? Die wollen jetzt im Zuge ihres Bürgerbegehrens allen weissmachen. daß halb Hamburg dort spazieren geht, tief einatmet und das Grün genießt. Lachhaft! Ein Spaziergang in der Kleingartenkolonie sieht so aus: Hecke um Hecke, Zaun an Zaun, mit kaum 'nem Loch um durchzuschauen. Und wenn man durchschaut, hat man gleich irgendjemandes Intimsphäre verletzt.
Zweitens; Hamburg packt ein tolles Projekt an: Eine Autobahn wird weggezaubert - dafür gibt's Grün vom Volkspark bis fast zur Elbe. Das bringt Tausenden von Menschen wirklich was. Und das Beste: Man weiß sogar, wie man es bezahlen kann.
Wenn die Lokalpolitiker der Linken den Deckel ehrlich wollen, aher ihnen die Finanzierung nicht gefällt - dann sollten sie wenigstens so tun, als ob sie sich ein bisschen den Kopf zerbrechen, um andere Lösungen zu finden.
Kontaktadresse: Bernt Grabow, Gottorpstr. 10, 22605 Hamburg, Tel.: 8801181
Homepage: www.ohneDachistKrach.de
Konto: Aktion für Bahrenfeld/Othmarschen e.V., Nr. 1044211249 bei der Haspa (BLZ: 20050550)





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