Noch vor wenigen Jahren waren Kleingartenkolonien für mich fremdes Territorium, verschrobene Kleinkrämerei, hinter Hecken verborgenes Spießertum. 2005 zog ich dann in die Behringstraße und zu Füßen meines Balkons begann eine dieser Parzellenlandschaften. Meine Spaziergänge führten mich dann durch die Gärten des Heimgartenbundes und ich war angetan von der Vielfalt, die in diesen Gärten herrschte. Es gab auch langweilige, altbackene Gärten, bei denen sich mir die Haare aufstellten, aber auch kleine Oasen, ein Kinderspielhaus, liebevoll angelegte Gemüsebeete, und es duftete... Als die Tagesmutter meines großen Sohnes uns dann sagte, dass in ihrem Verein grad zwei Parzellen frei wären, schauten wir uns den Acker an. Kein Haus, das Steinhaus war grade abgerissen worden, dafür aber jede Menge Reste im Boden, ein Streifen Blumen, einer der von mir geliebten Holunderbäume und noch so dies und das... JA!!! Da war Platz für Visionen! Meine Mutter hat einen grünen Daumen und ich hoffte auf Vererbung. Wir pachteten die Halbwüste, hoben einen Graben für die Wasserleitung aus und schlugen als erstes ein Erdbeerbeet zwischen das Unkraut. Während wir schufteten, schloss unser Sohn schon mal Bekanntschaften. Die Eltern in der Nachbarschaft versorgten ihn mit und uns dann auch. Freundschaften entstanden, die von so viel Unterstützung geprägt sind, wie ich es höchstens aus meiner Kindheit in Mecklenburg kenne. Es gibt einen Haufen Kinder, die von Garten zu Garten ziehen, von Schaukel zu Planschbecken zu Grillwürstchen. Und abends müde und glücklich ins Bett fallen. Ich kann mir das Leben ohne unseren Garten kaum mehr vorstellen. Wir verbrachten im Sommer die meisten Wochenenden dort. Unsere Nachbarn sind kunterbunt und so wenig spießig wie wir. Mein zweiter Sohn ist in diesem Sommer geboren worden. Und ich wünsche mir, dass er in zwei Jahren mit mir dort noch Erdbeeren ernten kann.
- ein Platz für meine Kinder, an dem sie sich frei bewegen können, spielen, Natur erfahren und ihre Zeit kreativ selbst gestalten, jenseits von Entertainment - ein Ausgleich zum Großstadtleben, wo es mir Freude macht, wenn ich die Hände in die Erde stecken kann - soziale Gemeinschaft, in der es soetwas gibt wie, ja, Solidarität:-)




