Ralf Hendel
persönliches Profil
Ich hätte jeden für verrückt erklärt, der mir vor fünf bis zehn Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages Schrebergärtner sein werde. Der Inbegriff deutscher Spießigkeit...
Im Grunde bin ich nur zum Garten gekommen, weil meine Frau es gern wollte und mir es zu anstrengend war, es ihr auszureden. Zum Glück gibt es Wartelisten. Ich hatte mich fest darauf verlassen, dass sich das Thema irgendwie von selbst erledigen würde.
Dann ging alles ganz schnell. Im Oktober 06 bot sich plötzlich eine Gelegenheit, einen Garten zu übernehmen - wir mussten uns allerdings schnell entscheiden. Da mir die Alternative immer noch zu anstrengend erschien habe ich mitgemacht. Ursprünglich wollten wir uns die Parzelle mit Freunden teilen. Das klang nicht nach viel Arbeit und irgendwie war es mir auch egal.
Das hat sich im nächsten Jahr im Sommer schnell geändert. Mia fand jede Menge netter Kinder in unserer "Straße". Wir hatten Glück - bei uns in der Nähe gab es viele Eigentümerwechsel - Eltern in unserem Alter mit Kindern. Die Kinder können frei spielen, es gibt keine gefährlichen Straßen und irgendwo ist immer ein Elternteil in der Nähe, der helfen und aufpassen kann, wenn es darauf ankommt.
Und wir Großen können im Garten tun, was uns gefällt. Basteln, Pflanzen, Kaninchenställe bauen, Klönen, Grillen, etc. Auf der Skala von dummen Zeug bis ernsthaften Gesprächen ist je nach Laune alles drin.
Es ist so ziemlich alles, bloß eines nicht: spießig...
Urlaub und Entspannung pur. Da wir nur rund acht Fußminuten entfernt wohnen, können wir jederzeit kurz rüber gehen und etwas "rumpütschern". Während der Nachmittage und Wochenenden im Garten kann ich schnell vom normalen Alltag herunterkommen, abschalten und Stress abschütteln.
Es ist unglaublich, was für eine Oase der Ruhe der Garten darstellt, der im Grunde genommen mitten in der Stadt und zwischen drei Hauptverkehrsadern liegt.
Bei schönem Wetter brauchen wir uns am Wochenende normalerweise nicht zu verabreden und können uns darauf verlassen, dass viele unserer Freunde ebenfalls im Garten sein werden.
Wenn ich es nicht selbst sehen würde, hätte ich nicht geglaubt, wie viele Greifvögel es in der Stadt gibt.
Noch nie in meinem Leben war ich so viel an der frischen Luft...
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