Bericht und Bilder von der Recht auf Stadt Parade - Demonstration des Initiativen-Netzwerks am 18.12.
Um es gleich vorweg zu nehmen: die Parade des Initiativen-Netzwerks "Recht auf Stadt" war super! Trotz bitterster Kälte fanden sich über 4.000 Teilnehmer auf der Moorweide ein, die sich weder von der aufgeheizten Berichterstattung im Vorwege noch von der für uns gesperrten Innenstadt abhalten ließen, für Ihr Recht auf Stadt einzutreten. Es fanden sich unglaublich bunte und phantasievolle Arbeiten - Viele liebevoll dekorierte Wagen mit Performance und Lautsprechern.
Die ursprüngliche Route in der Stadt wurde seitens des Oberverwaltungsgerichtes wegen angeblich vierhundert gewaltbereiter Linksautonomer nicht genehmigt. So gab es am Gänsemarkt eine Verhandlung zwischen Demonstrations- und Polizei-Einsatzleitung mit einer Einigung, dass die Route über Feldstraße, Budapester Straße, Simon-von-Utrecht-Straße zum Frappant eingeschlagen wurde.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Organisatoren und zahlreichnen MithelferInnen, die diese Parade trotz erheblicher bürokratischer Widerstände so souverän vorbereitet und durchgeführt haben!
Ich habe zwischendurch reichlich Bilder von der bunten Vielfalt geschossen. Was für eine tolle Stimmung in dieser Stadt, in der alles ausverkauft und privatisiert wird. Die Schneeflocken auf der Linse verleihen den Bildern zusätzlich noch ihre eigene unwirkliche Atmosphäre.
Die starke Polizeipräsenz - besonders am Ende am Frappant - stand in keinem Verhältnis zu der bunten Parade und lässt für mein Gefühl Rückschlüsse auf die Unsicherheit der Behörden zu, die diesem bunten Netzwerk anscheinend eher hilflos gegenüber stehen. Die Heterogenität aus Schanze, Flora, Künstlern, Kleingärtnern und Eltern von behinderten Kindern stellt diese Stadt offenbar vor noch nicht dagewesene Herausforderungen. Es wäre schön, wenn die friedliche Botschaft auch in der Innenbehörde angekommen ist und wir beim nächsten Mal in der Innenstadt auftreten können, wo wir die Menschen dieser Stadt besser erreichen können.
Einige Beamte interessierten sich für unsere Inhalte und nahmen unsere Flugblätter gern an. Mit einzelnen habe ich mich unterhalten und hatte dabei den Eindruck, dass sie durchaus Sympathien für die Bewegung empfinden und vielleicht sogar gern mit gegangen wären. Die Möglichkeit wird sich in Zukunft sicherlich noch ergeben.
Beeindruckend auch die Erfolge im Netzwerk. Nicht nur das Gängeviertel, das inzwischen wieder durch die Stadt zurück gekauft wurde.
So hatte ich Gelegenheit mich mit den Initiatoren von Nicos Farm zu unterhalten - Eltern von behinderten Kindern, die für ein gemeinsames Wohnprojekt am Hostenkamp kämpfen und dafür ein Haus besetzt haben. Die Presse hat in der letzten Woche viel über die Besetzung berichtet hat und darüber, wie dem Verein in der Vergangenheit seitens der Behörden Steine in den Weg gelegt wurden. Die Entwicklung der letzten Woche ist kaum zu fassen: Der Vorsitzende der CDU-Fraktion Altona, Herr Uwe Czszesny, schlägt vor, dass die Sozialbehörde das Grundstück kaufen soll. Er würde sich dann für eine Lösung einsetzen.
Der Verein "Förden und Wohnen" betrachtet die Besetzung nicht als Besetzung sondern als politische Aktion. So ist er nicht zum Handeln gezwungen. Die Sozialbehörde ließ sich entschuldigen, dass sie Freitag keinen Termin mehr anbieten konnte und hat vorgeschlagen, sich Sonntag (!) zu treffen. Für die Stadt ist es offenbar unerträglich, dass Eltern aus der bürgerlichen Mitte gezwungen sind, Häuser zu besetzen, um zu verhindern, dass ihre Kinder medikamentös ruhig gestellt und in Pflegekasernen interniert werden.
Also Zwangsbefriedung und Deckel drauf: Die Besetzung wird in eine politische Aktion umdefiniert und kann so quasi als künstlerische Expression hingenommen werden. Die Ordnung bleibt dabei erhalten.
Und überhaupt unterstützen alle Politiker und Behördenverantwortlichen das Projekt...
Wir Kleingärtner sollten uns überlegen, wie wir weiter vorgehen. Vielleicht besetzen wir im Sommer an einem schönen Einkaufsvormittag spontan die Große Bergstraße und errichten dort auf dem Asphalt Kleingärten. Dann könnten wir uns schon mal an den Deckel probeschrebern - sehr viel anders wäre ein kleingarten auf dem Autobahndeckel dann auch nicht mehr - und wir könnten den Menschen und Unterstützern in Altona zeigen, dass wir mitnichten aufgegeben haben. Aber damit sollten wir noch warten, bis es wärmer wird.
Der zweite Teil der Bilder der Parade befindet sich hier.
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