Stellungnahme zur Presserklärung von Jens Kerstan zum Künstlermanifest
Jens Kerstan hat heute ein Presseerklärung zum Künstlermanifest veröffentlicht: "Auch wir wollen Freiräume für Kunst und Subkultur". Die Aussage "Deshalb suchen wir mit allen Beteiligten den Dialog – gerade mit den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Manifests" kann ich aus meinen Erfahrungen mit Vertretern der Hamburger GAL nicht bestätigen.
Bei den "Stadtgesprächen" - einer Podiumsdiskussion im Kultwerk West vom 20.03.2009 mit dem damaligen Bundesarbeitsminister der SPD, Herrn Olaf Scholz und Frau Krista Sager, Mitglied der GAL im Bundestag - baten wir evozierten Kleingärtner um eine Erklärung, wie sich der gegenwärtig zu beobachtende inflationäre Gebrauch des Behörden-Instrumentes "Evokation" mit grünem Demokratieverständnis verträgt.
Die Landesvorsitzende der GAL Hamburg - Frau Katharina Fegebank- hat uns vor Publikum einen Dialog in Aussicht gestellt, in dem wir Antworten auf unsere brennenden Fragen erhalten können. Aus "terminlichen Gründen" ist dieses Treffen trotz mehrfacher Nachfragen unsererseits bislang nicht zustande gekommen.
In der Presseerklärung von Herrn Kerstan sehe ich den Versuch, den verloren gegangenen Kontakt zu ursprünglichen Stammwählern wieder zu suchen. Der "Green New Deal"-Spagat, der Wähler mit Interesse an Naturschutz und schonender Ressourcenverwendung mit dem Typus "moderner Stadtentwickler" versöhnen soll, wird beiden Seiten nicht gerecht.
In Hamburg hat sich die GAL von ihren grünen Wurzeln verabschiedet und sollte sich konsequenterweise zu ihren Stadtplanungszielen bekennen:
- Die Stadt muss um jeden Preis wachsen
- Privatisierung allen öffentlichen Eigentums
- Entmischung von Stadtteilen:
Verlagerung sozial Benachteiligter in Stadtteile, die sich bereits auf Gettho-Management spezialisiert haben - Abschaffung von Bürgerbeteiligung im Interesse des großen Entwurfs
Hintergrund zum Artikel:
Unter dem Vorwand Wohnungen für Altona bauen zu wollen, plant die grün geführte Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf den 35ha umfassenden Naherholungsflächen - sogenanten "Verwertungsflächen", die in Zusammenhang mit der Finanzierung des erweiterten Autobahndeckels A7 verkauft werden sollen, eine flächendeckende Bebauung mit Einfamilienhäusern und Reihenhäusern. Zynischerweise werden an einigen Stellen tatsächlich Sozialwohnungen entstehen: Als Alibi und sozusagen als "bewohnte Lärmschutzwand" ist entlang der Behringstraße zur Aufwertung der dahinter liegenden Grundstücke eine Zeile mit dreigeschossigen Sozialwohnungen geplant.
Siehe dazu auch "Sein und Schein grüner Politik" oder auch "die Macht des letzten Wortes".




Kommentare
Bei wikipedia wird sogar Hamburg als Beispiel herangezogen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Evokation
Der Begriff Evokation (lat. evocatio „Aufruf“, von evocare „herausrufen“) hat mehrere Bedeutungen:
Mit den wahnsinnigen Ideen von Landry und Florida im hohlen Kopf, versuchen doch die Grünen gerade in Hamburg, eine neoliberale Stadtentwicklung voranzutreiben.
Kultur, Natur und Kreativität werden in diesem Konezpt nur "benutzt" um Wirtschaftswachstum zu generieren. Das Wachstumsdogma steht in wirklichkeit über allem. Damit sind die Grünen in gewisser Weise zu Öko-Neoliberalen geworden...
Hm, 'Evokation', soll das so heißen, nicht möglicherweise Evaluation? Immerhin listet bsplw. Merriam-Webster für 'evocation' folgende zwei Bedeutungen:
a: the summoning of a spirit; b: imaginative recreation
MLA Style
"Evocation." Merriam-Webster Online Dictionary. 2009.
Merriam-Webster Online. 2 November 2009
<http://www.merriam-webster.com/dictionary/Evocation>
Also sollen entweder Geister beschworen werden oder die Vergangenheit sich vorgestellt? Scheint mir beides nicht so passend zu sein - oder gerade sehr passend ...